Ich denke mal, dass die Kriegsdienstverweigerung auch ein interessantes Dokument ist, welches ich euch auch nicht vorenthalten möchte. Ich bin mit dieser Verweigerung trotz ein paar Tippfehlern durchgekommen und war daher Zivildienstleistender. Gemustert wurde ich damals ganz knapp als T2 (durfte kein Gebirgsjäger werden) und möchte somit zeigen, dass es nicht unbedingt schwieriger ist zu verweigern, obwohl man relativ gut gemustert wird.
Viel Spaß beim Lesen.

Sehr geehrte Damen und Herren,

Ich verweigere unter Berufung auf Artikel 4, Absatz 3, Satz 1 des Grundgesetzes den Kriegsdienst an der Waffe. Anliegend erhalten Sie einen tabellarischen Lebenslauf, sowie eine ausführliche Darlegung der Beweggründe meiner Gewissensentscheidung.

Ich bitte um die Anerkennung meiner Entscheidung.

Mit freundlichen Grüßen




Dennis Koch


Lebenslauf ...



Begründung zur Kriegsdienstverweigerung:

Mit dem nachfolgenden Text möchte ich die Gründe meiner Gewissensentscheidung zur Verweigerung des Kriegsdiensts erläutern.
Den Grundstein für meine Einstellung gegen Gewalt legten meine Eltern in der Erziehung. Ich wurde von vornherein gewaltfrei erzogen und lernte Konflikte verbal auszutragen. Dies brachte mir zwar in der Schule hin und wieder Probleme mit anderen Schülern, die eher ihre Fäuste „sprechen“ ließen, doch habe ich schnell verstanden, dass die Gewalt keine Lösung ist, sondern nur das Problem aufschiebt, wobei aber der Weg zur Lösung nur unnötig erschwert wird. Das Sprichwort „Gewalt erzeugt immer Gegengewalt“ ist ein Spruch, den man nicht nur in der Familie sonder auch in der Politik beherzigen sollte.
Aus diesem Grund habe ich immer versucht Gewaltanwendungen aus dem Weg zu gehen und Konflikte durch Diskussionen und Kompromisse zu beseitigen. Ich habe auch das Resultat derer gesehen, die Gewalt angewendet haben. Der Konflikt war nie gelöst, sondern zog sich nur in die Länge und macht aus Freunden Feinde.

Dieses Wissen habe ich auch versucht in der dreijährigen Mitarbeit der Jugendgruppe der evangelischen Gemeinde Herscheid den Kindern zu vermitteln. Wir haben dort in der Andacht oft das Thema der Nächstenliebe im Zusammenhang mit den Zehn Geboten angesprochen und sind auch immer wieder zu dem Entschluss gekommen, dass jegliche Anwendung von Gewalt zur Lösung eines zwischenmenschlichen Problems falsch ist und nur noch größere Rachegewalttaten hervorruft. So kann ich mich aufgrund der überzeugenden Argumente gegen Gewalt an keine Situation erinnern, in der es zwischen den Kindern zu Rangelei gekommen ist, da wir ihnen immer sofort gezeigt habe, wie sich der Konflikt gewaltfrei lösen lässt.

Ein weiterer Punkt für meine Entscheidung gegen den Wehrdienst wäre die Tatsache in einem Kriegsfall mit einer Schusswaffe gewalttätig Menschen niederschießen zu müssen, nur aufgrund einer politischen Differenz zwischen zwei Staaten, die keinen Kompromiss finden können um das Problem friedlich zu lösen. Die andere Seite verteidigt sich ihrer Meinung nach auch und der Konflikt eskaliert und es fällt mir wieder der Spruch ein „Gewalt erzeugt immer Gegengewalt“. Man kann den Frieden nicht durch den Gebrauch von Waffen waren sondern muss die Konflikte verbal lösen.
Wenn ich mir nun in meinem Fall vorstelle, dass diese Personen auf die ich schießen müsste im zivilen Leben eine Familie haben, Freunde und womöglich einen Beruf um ihre Familie zu versorgen, würde ich es sicher nicht schaffen die Waffe auch nur ansatzweise in deren Richtung zu richten mit dem Befehl das Leben der Menschen und die bis zu dem Zeitpunkt gesicherte Zukunft derer Angehörigen auszulöschen oder auch nur im geringsten Sinne gewalttätig zu beeinträchtigen. Abgesehen von der auf mich zukommenden seelischen Belastung ein Menschenleben auf dem Gewissen zu haben.

In diesem Zusammenhang fällt mir immer der Spruch „Stell dir vor es ist Krieg und keiner geht hin.“ ein. Es ist ein sehr tiefgründiger Spruch, der trotz seiner Kürze zum Denken anregt. Ich muss an diesen Spruch immer denken, wenn ich die grauenvollen Bilder aus den derzeitigen Kriegsgebieten sehe und stelle mir dann vor wie diese Region bzw. die Welt aussehen würde, wenn jeder so denken würde.
Ich kann es einfach nicht nachvollziehen, dass Menschen zu solchen Gräueltaten in der Lage sind, dass das Leben eines anderen Menschens nichts für sie wert sein kann nur aufgrund einer anderen Meinung, politischen Gesinnung oder Religion. In dem Zusammenhang habe ich auch das Buch „Nach Afghanistan kommt Gott nur noch zum Weinen“ von Siba Shakib gelesen in dem eine Frau auf eindrucksvolle Weise das Leben in einem Kriegsgebiet und die Sinnlosigkeit von Waffen schildert.
Selbst die einfachsten Lebewesen töten sich nicht einfach gegenseitig und wir bezeichnen uns selbst als die intelligenteste Lebensform der Erde. Aus diesem Grund kann ich mir unter keinen Umständen den Dienst an der Waffe vorstellen.

Ich hatte das Glück meine Urgroßeltern noch kennen zu lernen, denn so konnten sie mir ihre subjektiven Erfahrungen in dem zweiten Weltkrieg mit dessen Gräueltaten berichten. Beispielsweise beschrieb mein Urgroßvater immer wieder seine Gefangenschaft in Russland, die seinen Erzählungen nach menschenunwürdige und grausam war. Meine Urgroßmutter bekam in dieser Zeit keinerlei Benachrichtigung über seinen Verbleib und musste so täglich von dem Schlimmsten ausgehen, welches natürlich eine enorme seelische Belastung für sie darstellte.
Mein Urgroßvater erzählte aber auch des öfteren von den Schlachten direkt an der Front. Durch einen Bombenhagel wurde einer seiner besten Freunde wenige Meter von ihm entfernt zerfetzt. Er selbst kam bei diesem Angriff glücklicherweise mit dem Leben davon verbrachte aber daraufhin über ein Jahr in verschiedenen Lazaretts. Aufgrund der Verletzungen verlor er dort einen Finger und bekam eine steife Hüfte, dessen Schmerzen ihn ein Leben lang begleiteten. Alltäglich Dinge wie Autofahren wurden von da an für ihn zur Qual, trotz des kostspieligen Umbaus der Pedalerie und sogar selbst beim Socken anziehen brauchte er Hilfe. Auch konnte er kaum längere Zeit alleine gehen und so musste ich ihn oft stützen, welches mich natürlich immer wieder an die grausamen Gewalttaten des Krieges erinnerte und mich so in meiner Meinung gegen Gewalt bekräftigte.

Zusammenfassend kann ich nun sagen, dass ich aus den dargelegten Gründen den Dienst an der Waffe in keinem Fall mit meinem Gewissen vereinbaren kann, da ich Befehle ausführen müsste, die meiner Überzeugung gegen Gewalt widersprechen würden.
Allerdings ist mir aber auch bewusst, dass ich als Bürger der Bundesrepublik Deutschland meinen Pflichten nachkommen muss, welche aber für mich nur im sozialen Engagement während des zeitlich längeren Zivildiensts in Frage kommt.

Mit freundlichen Grüßen und der Bitte auf Anerkennung,



Dennis Koch

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